Wärme aus der Region statt Öl und Gas! In Speichersdorf hat die Gemeinde ihre neue Heizzentrale eingeweiht. Über das Nahwärmenetz bekommen private Haushalte, kommunale Gebäude und ein Altenheim Wärme. Bürgermeister Christian Porsch:
Es sind 300 Wohneinheiten jetzt angeschlossen. Also wir erzeugen hier sehr viel regenerative Wärme und wir ersetzen dadurch fossile Energieträger wie Öl oder Gas.
Bis zur Einweihung hat es mehrere Anläufe gebraucht. Hinter dem Projekt steckt eine lange Planungsgeschichte, erklärt Porsch:
Die erste Idee für dieses Heizwerk, für diese Nahwärmeversorgung hatten wir tatsächlich schon vor 18 Jahren. Wir waren da schon soweit und haben gesagt, wir wollen unseren Ort regenerativ versorgen. Wir wollen unabhängig werden von fossilen Energieträgern. Wir wollen unabhängig werden von den Einflüssen von außerhalb. Da war die Zeit aber noch nicht reif. 2011 mussten wir diese Planungen dann einstellen, haben sie dann 2021 wieder aufgenommen und heute ist dieser Weg zu Ende gegangen. Wir haben die Heizzentrale eingeweiht.
Die eigentliche Bauzeit ist dagegen vergleichsweise kurz gewesen. Im Mai vergangenen Jahres hat die Gemeinde den Spatenstich gefeiert, bereits im November hat das Netz die erste Wärme geliefert. Eine größere Aufgabe: genügend Haushalte für einen Anschluss gewinnen, damit sich die Versorgung wirtschaftlich betreiben lässt. Rund zwei Jahre hat die Gemeinde dafür geworben.
An dem Vorhaben haben auch zwei Generationen einer Familie gearbeitet. Schon Altbürgermeister Manfred Porsch, der Vater des heutigen Bürgermeisters, hat die Idee mit auf den Weg gebracht. Entsprechend persönlich fällt sein Fazit aus:
Das fühlt sich großartig an. Eine Idee, die sich vor 18 Jahren entwickelt hat, kam jetzt zum Abschluss und unser Ziel war schon immer, so gut wie möglich, sich unabhängig zu machen von den großen Konzernen, die uns Benzin und Öl verkaufen. Wir wollen hier auch regional die Energiewende einführen und freue mich, dass heute diese Fertigstellung gefeiert werden konnte, dass der Minister da war und vor allen Dingen, dass so viele Immobilien angeschlossen haben.
Neben der Wärmeversorgung geht es der Gemeinde auch um die wirtschaftlichen Auswirkungen vor Ort. Christian Porsch beschreibt, welche Vorteile er in dem Projekt sieht:
Dass wir unabhängiger werden, dass wir auch wirtschaftlicher arbeiten können, wir sparen uns damit Geld. Die Hackschnitzel kommen aus der Region. Die Personen, die angestellt sind, sind kommunale Angestellte. Also wir haben hier einen neuen Wirtschaftskreislauf dann auch mit diesem Nahwärmenetz erschaffen und wir machen was für die nächsten Generationen. Das tut gut und diese Haltung sollte sich verbreiten, auch über Speichersdorf hinaus. Viele Kommunen in Bayern machen das schon so und ich hoffe, dass es noch mehr werden, denn das sind wir unseren nächsten Generationen schuldig.
Zur Einweihung ist auch Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber von den Freien Wählern gekommen. Er ordnet das Heizwerk in die Energieversorgung der gesamten Gemeinde ein:
Wir diskutieren oft über die Produktionsstätte, ist ein Windkraftrad, ist eine Photovoltaikanlage, ist am Ende ein Biomasseheizwerk, eine Belastung für meine Kommune. Die Speichersdorfer haben es genau umgedreht. Die haben gesagt, wir kombinieren all diese Energieproduktionsformen, die uns unabhängig machen. Und sie sind Gewinner. Denn der eigene Geldbeutel, der ist, der geschont wird. Es ist Nachhaltigkeit und Klimaschutz für kommende Generationen. Und es ist vor allem eins, auch die Kommune ist wettbewerbsfähig. Sie kann den Bürgerinnen und Bürgern Wärme, aber auch Strom anbieten, wie er andernorts nicht möglich ist.
jt