Oberfränkische Ermittler schnappen Drahtzieher eines großen internationalen Betrugsnetzwerks

07. Januar 2026 , 15:37 Uhr

Ermittler aus Bayreuth und Bamberg haben einen mutmaßlichen Drahtzieher eines großen internationalen Betrugsnetzwerks geschnappt. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben.

Mehr als 1.000 Menschen im deutschsprachigen Raum haben viel Geld verloren – durch gefälschte Anlageplattformen. Laut den Ermittlern hat der Mann jahrelang betrügerische Callcenter im Ausland geleitet. Seine Mitarbeiter haben Menschen wohl zu angeblichen Geldanlagen überredet, die in Wahrheit komplett verloren gegangen sind. Insgesamt soll der Schaden weltweit mindestens bei 180 Millionen Euro liegen, der Mann selbst soll etwa 29 Millionen Euro kassiert haben. Ihm drohen mehrere Jahre Haft. Der 50-jährige Angeklagte ist 2023 in Armenien festgenommen, 2024 nach Deutschland ausgeliefert worden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Der Prozess startet Mitte Januar vor dem Landgericht Bamberg. Die Ermittlungen gegen weitere Beteiligte laufen noch.

Im Dezember 2025 wurde eine Führungsperson aus einem nordmazedonischen Callcenter dieses Betrugsnetzwerks bereits zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt.

 

Der gesamte Bericht der Ermittler:

Nach jahrelangen intensiven Ermittlungen gemeinsam mit der Kriminalpolizeiinspektion für Zentralaufgaben Oberfranken hat die Zentralstelle Cybercrime Bayern Anklage gegen einen mutmaßlichen Kopf eines internationalen Betrugsnetzwerks, über das in der Vergangenheit international unter dem Schlagwort „Milton Group“ berichtet wurde, erhoben. Die „Milton Group“ soll allein im deutschsprachigen Raum weit über 1.000 Personen geschädigt haben.
Der angeklagte 50-jährige israelische und georgische Staatsangehörige wurde im August 2023 in Armenien festgenommen und im Mai 2024 nach Deutschland ausgeliefert. Seitdem befindet er sich in Untersuchungshaft in einer bayerischen Justizvollzugsanstalt. Mitte Januar beginnt der Prozess vor der Cyber-Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Bamberg. Die Anklage wurde unverändert zur Hauptverhandlung zugelassen.

Der in Deutschland nicht vorbestrafte Angeschuldigte soll jedenfalls von 2014 bis zu einer groß angelegten Durchsuchungsaktion im November 2022 Teil einer Tätergruppierung gewesen sein, die mehrere Callcenter in unterschiedlichen Ländern (Albanien, Georgien, Nordmazedonien, Ukraine) betrieb (zu den Einzelheiten des Action Days vgl. Pressemitteilung 14/2022 vom 22.11.2022). Mitarbeiter dieser Callcenter bewegten die getäuschten Kunden dazu, auf einer Vielzahl von betrügerischen Plattformen im Vertrauen auf eine lukrative Anlagemöglichkeit teilweise hohe Geldsummen zu investieren (sog. Cybertrading). Die Täter spiegelten dabei vor, digitale Plattformen für den Handel mit unterschiedlichsten Finanzinstrumenten zur Verfügung zu stellen. Das investierte Kapital ging in der Regel vollständig verloren. Die geschädigten Investoren wurden häufig durch betrügerische Werbekampagnen mit prominenten Personen und Politikern angelockt.
Die sehr aufwändigen Ermittlungen werden seit sechs Jahren gemeinsam mit der Kriminalpolizeiinspektion für Zentralaufgaben Oberfranken sowie sächsischen Ermittlungsbehörden geführt. Aufgrund der internationalen Verflechtung der Tätergruppierung und der zahlreichen Geschädigten in vielen europäischen Staaten waren grenzüberschreitende Ermittlungen von Beginn an erforderlich. Hierfür wurde auch ein „Joint Investigation Team“ (JIT) gegründet, an dem insbesondere die Strafverfolgungsbehörden aus Albanien und Georgien beteiligt sind.

Dem Angeschuldigten liegen konkret zwei Tatkomplexe zur Last:

Zum einen soll er zunächst von Ende 2014 bis Mai 2019 ein Callcenter in Tirana (Albanien) mit zuletzt ca. 600 Mitarbeitern geleitet haben. Dieses Callcenter vertrieb zumindest 28 Platt-formen und schädigte ca. 180 Personen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in Höhe von insgesamt ca. 8 Millionen Euro. Der Dunkelfeldschaden ist dagegen um ein Vielfaches höher. Die sichergestellten Buchführungsunterlagen legen allein im Zeitraum von Januar 2018 bis Mai 2019 einen deutschlandweiten Schaden in Höhe von knapp 10 Millionen Euro und einen weltweiten Schaden in Höhe von knapp 50 Millionen Euro nahe.
Zum anderen sollen in den Jahren 2017 und 2018 IT-Spezialisten im Auftrag des Angeschuldigten eine Software für betrügerisches Cybertrading mit dem Namen PumaTS entwickelt haben. Der Angeschuldigte soll diese Software zunächst in seinem eigenen Callcenter eingesetzt und sie im Anschluss zusammen mit ca. 15-20 Mitarbeitern von Mai 2019 bis zu der Durchsuchung im November 2022 von Tiflis (Georgien) aus vertrieben haben. Auf der Basis dieser Software sollen von den Kunden knapp 400 Betrugsplattformen betrieben worden sein. Dabei soll der Angeschuldigte betrügerischen Callcentern auch weitere Dienstleistungen zur Verfügung gestellt haben, z.B. indem er ihnen bei der Errichtung von Scheinfirmen half. Der Angeschuldigte soll so dazu beigetragen haben, dass 540 Personen aus dem deutschsprachigen Raum in Höhe von insgesamt ca. 44 Millionen Euro geschädigt wurden. Ein Geschädigter aus Österreich verlor binnen eines Zeitraums von sieben Monaten allein auf der Fake-Investmentseite „CryptoKartal“ einen Betrag von mehr als 11 Millionen EUR. Der Dunkelfeldschaden ist aber auch hier um ein Vielfaches höher. Die sichergestellten Buchführungsunterlagen legen schon für den Zeitraum von Februar 2019 bis Dezember 2020 einen weltweiten Gesamtschaden in Höhe von zumindest rund 130 Millionen Euro nahe.
Insgesamt wird dem Angeschuldigten von der Zentralstelle Cybercrime Bayern mithin ein durch Strafanzeigen belegter Schaden in Höhe von rund 52 Mio. EUR und ein weltweiter „Dunkelfeldschaden“ in Höhe von zumindest etwa 180 Millionen EUR zur Last gelegt. Dabei sollen ihm selbst ca. 29 Millionen Euro zugeflossen sein. Er muss sich nun wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs in zwei Fällen verantworten. Das Gesetz sieht hierfür jeweils eine Freiheitsstrafe zwischen einem und zehn Jahren vor.
Gegen weitere Mitglieder der Tätergruppierung dauern die Ermittlungen der Zentralstelle Cybercrime Bayern und der Kriminalpolizeiinspektion mit Zentralaufgaben Oberfranken an. Mehrere Tatbeteiligte befinden sich in Untersuchungshaft. Im Dezember 2025 wurde eine Führungsperson aus einem nordmazedonischen Callcenter der Milton Group zu einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren rechtskräftig verurteilt.

bea

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