Neujahrsempfang der IHK für Oberfranken Bayreuth: Industrie beschäftigt so wenige Menschen wie nie zuvor

15. Januar 2026 , 15:21 Uhr

Neujahrsempfang der IHK für Oberfranken Bayreuth in der Eventarena Himmelkron. 200 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft sind gekommen. Die Ansprache von IHK Präsident Michael Waasner war sehr deutlich, aber leider wenig positiv. Seit 2019 hat die oberfränkische Industrie 11.500 Arbeitsplätze verloren, die Industrie beschäftigt so wenige Menschen wie nie zuvor. Einen Beschäftigtenzuwachs gab es nur bei den Dienstleistungen. Für jeden zweiten Arbeitsplatz, der in der Industrie verloren gegangen ist, ist einer in der öffentlichen Verwaltung entstanden. Die ersten Trendergebnisse der IHK-Konjunkturergebnisse zeigen bei den Erwartungen für 2026 leider auch überwiegend Pessimismus. Die Forderungen der IHK: Bürokratieabbau, schnellere Verfahren, Steuerentlastungen, die Infrastruktur endlich auf aktuell modernes Niveau bringen.

 

Der Bericht der IHK:

Dr. Waasner geht in seiner Ansprache auf die aktuelle Wirtschaftslage in Oberfranken ein. Seit 2019 hat die oberfränkische Industrie 11.500 Arbeitsplätze verloren, die Industrie beschäftigt so wenige Menschen wie nie zuvor, nur noch rund 125.000. Einen Beschäftigtenzuwachs gab es nur bei den Dienstleistungen und vor allem in der öffentlichen Verwaltung, wo 5.500 neue versicherungspflichtige Stellen entstanden. Dr. Waasner: “ Für jeden zweiten Arbeitsplatz, der in der Industrie verloren ging, entstand einer in der Verwaltung. Meine Damen und Herren, das ist kein nachhaltiges Wachstumsmodell!“ Leider stimmen auch die weiteren Perspektiven wenig optimistisch. „Die ersten Trendergebnisse der IHK-Konjunkturergebnisse zeigen, dass bei den Erwartungen für 2026 Pessimismus weiterhin überwiegt, wenngleich der Trend wieder in die richtige Richtung geht“, so der IHK-Präsident.

Oberfränkische Wirtschaft vor enormen Herausforderungen
Dr. Waasner: „Wir müssen uns fragen: Haben wir noch das richtige Betriebssystem für unsere Wirtschaft? Oder laufen wir mit veralteter Software, während andere längst aufgerüstet haben?“ Er geht auf die Herausforderungen ein, vor denen die oberfränkische Wirtschaft steht. Der IHK-Präsident fordert, Planungs- und Genehmigungsverfahren zu beschleunigen und die Bürokratie abzubauen, Investitionen zu erleichtern, Unternehmen steuerlich zu entlasten, Arbeitsanreize zu verbessern und die Infrastruktur endlich auf das Niveau des 21. Jahrhunderts zu bringen. Die Bereitschaft, Veränderungen anzugehen, ist in der Gesellschaft und in der Politik noch zu schwach ausgeprägt. Wir müssen gemeinsam daran arbeiten, die Wettbewerbsfähigkeit unserer Region zu sichern.

Unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen zusammenbringen
Ein besonderer Höhepunkt des Abends ist der Festvortrag von Mirijam Trunk, Chief Crossmedia Officer, Chief Sustainability & Diversity Officer von RTL Deutschland und Bestsellerautorin. Unter dem Titel Verschiedene Köpfe kommen zu besseren Ergebnissen – wie Frauen und Männer gemeinsam mehr Vielfalt in Unternehmen bringen spricht sie über die Bedeutung von Diversität für Innovation und Unternehmenserfolg. Trunk macht deutlich: Vielfalt ist viel mehr als Mann und Frau. Es geht darum, unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen zusammenzubringen, um bessere Lösungen zu finden.

Sie schildert anschaulich, wie unbewusste Denkmuster und gesellschaftliche Prägungen die Arbeitswelt beeinflussen und wie wichtig es ist, diese zu hinterfragen: Wir alle haben Bilder im Kopf, die unser Handeln bestimmen. Entscheidend ist, dass wir uns dessen bewusst werden und aktiv daran arbeiten, Vielfalt zu fördern. In ihrem Vortrag stellt sie gegenüber, wie unterschiedlich bestimmte Eigenschaften bei Frauen und bei Männern interpretiert werden. Zeige ein Mann Emotionen, gelte er als energisch und einfühlsam, eine Frau dagegen als „hysterisch und gaga.“ Zeige ein Mann wenig Emotionen, habe er sich im Griff, eine Frau dagegen gelte als eiskalt.

In Deutschland gelte für Frauen weiterhin das Motto „Kind oder Karriere“. Nicht von ungefähr sei Deutschland internationaler Spitzenreiter bei Teilzeitarbeit. Auch hätten Kinder für Frauen spürbare Auswirkungen auf ihr Einkommen.

Vielfalt als strategische Chance begreifen
Unternehmen, die Diversität leben, sind nachweislich innovativer und erfolgreicher: Mit einem vielfältigen Management erzielen Unternehmen 19 Prozent mehr Innovationen“. So Trunk. „Es geht darum, Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, die für alle Menschen passen – und damit neue Kundengruppen zu erschließen. Sie appelliert an die Führungskräfte in Oberfranken, Vielfalt als strategische Chance zu begreifen: Vielfalt ist kein kurzfristiger Trend, sondern eine zentrale Führungsaufgabe. Nur so können wir die Herausforderungen des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels meistern.

Die gebürtige Bambergerin studierte Psychologie, Kommunikationswissenschaft und Politik in München und Washington D.C., absolvierte eine Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule in München und arbeitete als Reporterin beim Bayrischen Rundfunk. Mit 27 wurde die heute 34-jährige Geschäftsführerin der Bertelsmann Audio Alliance und baute das Podcast-Geschäft des Unternehmens auf, bevor sie RTL-Managerin wurde.

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