Influenza, COVID-19, RSV und andere Atemwegsinfektionen treten aktuell parallel auf. Am Sana Klinikum Coburg registrieren Mediziner eine erhöhte Aktivität, die sich vor allem in der Notaufnahme bemerkbar macht. Die Versorgung ist gesichert, dennoch informieren Ärztinnen und Ärzte des Klinikums aktuell im Rahmen eines Themendienstes über die Unterschiede der Erkrankungen, besonders gefährdete Personengruppen sowie darüber, wann eine Vorstellung beim Hausarzt, im Bereitschaftsdienst oder in der Notaufnahme notwendig ist. Besonders gefährdet sind demnach ältere Menschen, chronisch Kranke sowie Säuglinge. Impfungen gegen Grippe, COVID-19 und für bestimmte Gruppen auch gegen RSV werden weiterhin empfohlen.
Ausführliche Infos, konkrete Handlungsempfehlungen und Einschätzungen der Coburger Chefärzte gibt´s im nachfolgenden Themendienst der Sana Kliniken Oberfranken.
Atemwegserkrankungen – aktueller Stand und Hinweise
Influenza, COVID-19, RSV und Co. – Was Sie jetzt wissen müssen
Die kalte Jahreszeit bringt ganz aktuell eine erhöhte Aktivität von Atemwegsinfektionen mit sich. Influenza, COVID-19, RSV und andere virale Erreger zirkulieren derzeit parallel und stellen Kliniken, Patienten und Angehörige vor besondere Herausforderungen. Während die meisten Infektionen mild verlaufen, können sie für bestimmte Risikogruppen schwerwiegende Komplikationen mit sich bringen.
Am Sana Klinikum Coburg beobachten Mediziner derzeit eine erhöhte Aktivität infektiöser Atemwegserkrankungen – mit spürbaren Auswirkungen auf den Klinikbetrieb und die Notaufnahme.
Wie können Betroffene zwischen einer harmlosen Erkältung und einer ernsthaften Infektion unterscheiden? Wann ist ärztliche Hilfe erforderlich? Welche Präventionsmaßnahmen sind sinnvoll, und für wen sind Impfungen besonders wichtig? In diesem Themendienst beleuchten Experten aus verschiedenen Fachbereichen die aktuelle Situation:
Chefarzt PD Dr. Gerald Braun (Allgemeine Innere Medizin, Nephrologie) erklärt die Unterschiede zwischen Erkältung, Influenza, COVID-19 und RSV und gibt Empfehlungen zu Behandlung, Impfungen und Prävention.
Komm. Chefarzt Dr. Sandor Kokai (Pneumologie) berichtet über die aktuellen Entwicklungen bei Atemwegsinfektionen, besonders gefährdete Risikogruppen und gibt Ratschläge für Menschen mit Vorerkrankungen.
Chefärztin Dr. Franziska Groenen (Notaufnahme) schildert die Belastungssituation in der Zentralen Notaufnahme und erklärt, wann ein Krankenhausbesuch wirklich notwendig ist – und welche Alternativen es gibt.
Chefarzt Ass. Prof. Dr. Dr. Peter Dahlem (Kinderklinik) gibt Einblicke in die Situation bei Kindern und Jugendlichen, erläutert die Rolle viraler Infektionen für das kindliche Immunsystem und informiert über aktuelle Impfempfehlungen.
Erkältung, Influenza, COVID-19, RSV – was ist wichtig?
PD Dr. G. Braun (Allgemeine Innere Medizin, Nephrologie)
Wie können Patienten zwischen einer ’normalen‘ Erkältung und ernsteren Infektionen wie Influenza, COVID-19 oder RSV unterscheiden?
Influenza beginnt abrupt mit hohem Fieber, ausgeprägten Kopf- und Gliederschmerzen sowie starkem Krankheitsgefühl. Ältere Personen und Menschen mit geschwächtem Immunsystem entwickeln häufiger einen schweren Verlauf mit Beeinträchtigung der Herz- und Lungenfunktion.
Eine Erkältung beginnt eher schleichend mit Schnupfen, Halsschmerzen und leichtem Husten, das Fieber ist selten hoch.
COVID zeigt ein variables Bild von fehlenden Symptomen bis hin zu Hals- und Kopfschmerzen, Fieber, Husten, starker Erschöpfung und eventuell Durchfall.
RSV verläuft bei Erwachsenen oft ähnlich einer Erkältung, kann aber bei älteren Personen und an der Lunge vorerkrankten Menschen zu Atemnot und schweren Verläufen führen.
Was empfehlen Sie Patienten mit leichten bis mittelschweren Symptomen für die Behandlung zu Hause? Wann ist der Gang zum Arzt oder ins Krankenhaus unumgänglich?
Bei leichten bis mittelschweren Symptomen reichen meist Ruhe, ausreichende Flüssigkeitszufuhr (Ausgleichen der Verluste durch Fieber und Appetitlosigkeit) und fieber- bzw. schmerzlindernde Medikamente wie Paracetamol, Ibuprofen und andere. Antibiotika sind bei Virusinfektionen nicht wirksam.
Eine ärztliche Vorstellung ist erforderlich bei Luftnot, einer Sauerstoffsättigung von unter 90 Prozenten, zunehmenden oder anhaltenden Beschwerden. Bei ausgeprägter Atemnot oder einer raschen Verschlechterung ist eine stationäre Abklärung notwendig. Risikofaktoren für einen schweren Verlauf sind hohes Alter, Abwehrschwäche und Vorerkrankungen.
Ist es jetzt noch sinnvoll, sich gegen Influenza oder COVID-19 impfen zu lassen? Welche weiteren Schutzmaßnahmen sind aktuell besonders wichtig?
Eine Impfung gegen Influenza und COVID-19 ist auch im weiteren Saisonverlauf sinnvoll, insbesondere für ältere Menschen, chronisch Kranke und Immungeschwächte. Für bestimmte Risikogruppen steht zudem eine RSV-Impfung zur Verfügung. Hierzu sollte man sich zeitnah von seinem Hausarzt beraten lassen.
Generelle Maßnahmen sind regelmäßiges Händewaschen und die Beachtung der Hygieneregeln im Alltag. Bei Symptomen sollten Kontakte reduziert werden, ein besonderes Augenmerk auf Hygieneregeln wie Hust- und Niesetikette gelegt werden, ggf. auch einen Mund-Nase-Schutz tragen.
Komm. Chefarzt Dr. Sandor Kokai (Pneumologie) berichtet über die aktuellen Entwicklungen bei Atemwegsinfektionen, besonders gefährdete Risikogruppen, und hat Tipps für vorerkrankte Personen.
Welche Entwicklung beobachten Sie derzeit bei Atemwegsinfektionen im Lungenzentrum? Gibt es einen dominierenden Erreger oder besonders schwere Verläufe.
Wir sehen aktuell eine mäßig erhöhte Aktivität von infektiösen Atemwegserkrankungen. Die Anzahl der Erkrankungen erschwert unseren Klinikbetrieb insofern, dass auch Mitarbeiter erkranken können bzw. erkrankt sind. Die normale Versorgung ist allerdings nicht gefährdet – sagen wir, es besteht „Alarmstufe Gelb“.
Es dominiert die Erkrankung mit Influenza (Grippe), aber auch andere Viruserkrankungen wie COVID-19 und RSV (Respiratorisches Synzythial Virus) sind derzeit aktiv unterwegs.
Zwar führen diese in der Regel zu einer „banalen“ grippalen Infektion, wir sehen aber derzeit auch Komplikationen in Form einer Lungenentzündung (virale Lungenentzündungen oder auch zusätzliche bakterielle Infektionen). Dies erfordert dann häufig einen Krankenhausaufenthalt. Die aktuellen Verläufe entsprechen eher Norm, weder durch Influenza noch durch andere Viren sehen wir gehäuft übermäßig schwere Fälle.
Welche Patientengruppen sind aktuell besonders von schweren Verläufen betroffen? Welche Komplikationen sehen Sie am häufigsten – und wie werden diese behandelt?
Die am stärksten gefährdeten Patienten sind chronisch kranke Patienten z. B. mit chronischen Herz-, Lungen-, oder Nieren-Erkrankungen, sowie Menschen mit schlecht eingestelltem Diabetes oder starkem Übergewicht. Auch Personen mit einer Krebserkrankung oder im fortgeschrittenen Alter sind generell stärker von solchen Infektionen betroffen.
Was raten Sie Menschen mit Vorerkrankungen der Atemwege oder chronischen Lungenerkrankungen in der aktuellen Infektionswelle? Wann sollten Betroffene unbedingt ärztliche Hilfe aufsuchen?
Wichtig ist eine gute Prävention: Gut eingestellte und medizinisch betreute chronisch Kranke, die zudem vorsorgliche Schutzimpfungen wahrnehmen, mindern aktiv das Risiko für schwere Verläufe von Infektionen. Man sollte bei Atemwegserkrankungen in der Umgebung vorsichtig sein und den Kontakt (z. B. mit Enkelkindern mit grippalem Infekt) meiden. Das Tragen von Schutzmasken wie einem Mund-Nasen-Schutz (MSN) in der Öffentlichkeit bei Menschenansammlungen (z. B. beim Einkaufen oder bei einer Busfahrt) während der „Influenza-Saison“ ist ebenso eine sinnvolle Schutzmaßnahme, hier sollte jeder für sich eine individuelle Abwägung treffen.
Chefärztin Dr. Franziska Groenen (Notaufnahme) schildert die Belastungssituation in der Zentralen Notaufnahme und erklärt, wann ein Krankenhausbesuch wirklich notwendig ist – und welche Alternativen es gibt.
Wie stark ist die Notaufnahme derzeit durch Atemwegsinfektionen belastet? Gibt es Engpässe oder besondere Herausforderungen in der Versorgung?
Die immer wieder knappen Notfallversorgung werden durch die aktuelle Infektionswelle, insbesondere durch die notwenigen Isolationsmaßnahmen, noch einmal deutlich mehr beansprucht. Für die Patienten bedeutet dies, dass sie selbstverständlich und wie gewohnt entsprechend der Dringlichkeit behandelt werden, sich aber längere Wartezeiten ergeben können. Daher bitten wir eindringlich, die Notaufnahme nur aufzusuchen, wenn es wirklich nötig ist.
Viele Menschen sind unsicher, wann ein Notfall vorliegt. Welche Symptome bei Atemwegsinfektionen rechtfertigen den Gang in die Notaufnahme?
Ganz klar:
bei ausgeprägter Luftnot
wenn Fieber trotz ambulanter Behandlung durch den Hausarzt nicht zu senken ist
wenn die Notwendigkeit einer intravenösen Antibiotikagabe vorliegt
bei Brustschmerzen
bei neurologischen Symptomen (Verwirrtheit, Lähmungserscheinungen etc. im Rahmen des Infektes)
ist das Aufsuchen der Notaufnahme der richtige Weg.
Was ist Ihr wichtigster Rat an die Bevölkerung, um die Notaufnahme zu entlasten und gleichzeitig die eigene Gesundheit nicht zu gefährden?
Bitte warten Sie nicht, bis es „nicht mehr geht“. Suchen Sie Ihren Hausarzt während der Sprechzeiten auf und nutzen Sie auch die Ärztliche Bereitschaftspraxis am Klinikum. Sie hat folgende Öffnungszeiten und deckt damit auch die Schließzeiten der Hausarztpraxen gut ab:
Montag, Dienstag, Donnerstag: 18:00 – 21:00 Uhr
Mittwoch & Freitag: 16:00 – 21:00 Uhr
Samstag, Sonntag & Feiertage: 09:00 – 21:00 Uhr
Sollten Sie unsicher sein, wer für Ihre Symptome der richtige Ansprechpartner ist, kann der ärztliche Bereitschaftsdienst, erreichbar unter Telefon 116 117, bei der Einordnung helfen. Falls notwendig, wird Sie dann auch einen Bereitschaftsarzt zu Hause aufsuchen.
Chefarzt Ass. Prof. Dr. Dr. Peter Dahlem (Kinderklinik) gibt Einblicke in die Situation bei Kindern und Jugendlichen, erläutert die Rolle viraler Infektionen für das kindliche Immunsystem und informiert über aktuelle Impfempfehlungen für Kinder und Jugendliche.
Wie ist die aktuelle Situation in der Kinderklinik? Welche Altersgruppen sind besonders betroffen, und welche Erreger dominieren bei den kleinen Patienten?
Die Situation der Kinderklinik ist davon geprägt, dass Infektionen der Atemwege und des Magen-Darmtraktes oft auch zu stationären Behandlungen von Kindern und Jugendlichen führen. In der Kinderklinik führen wir regelmäßig eine umfangreiche virologische Diagnostik durch, um die Ursachen von unklarem Fieber festzustellen. Dadurch sehen wir über das ganze Jahr verteilt virale Erreger unterschiedlichster Art, die sowohl die Atemwege als auch den Magen-Darm-Trakt und oft auch beide Organsysteme befallen. Insgesamt stellen wir dabei fest, dass sich die saisonale Häufung dabei etwas verwischt. Wenn man nach Erregern sucht stellt man dies fest.
Aktuell, während des Winterhalbjahres häufen sich klassischerweise Infektionen mit dem RS- und den Influenzaviren, aber auch die anderen Viren sind aktiv. Dank der RSV-Impfung für Neugeborene und Säuglinge ist es gelungen, die Anzahl der behandlungsbedürftigen Säuglinge und Kinder deutlich zu reduzieren. Auch die aktuelle Influenzawelle fällt nicht sehr stark aus, es besteht keine extreme Häufung von Kindern mit der Notwendigkeit einer Krankenhausbehandlung. Gelegentlich finden wir auch noch COVID-19-Infektionen als Fieberursache. Unabhängig vom Erregernachweis sind sämtliche fieberhaften Erkrankungen der Atemwege und des Magen-Darm-Traktes durch räumliche Nähe und engen Körperkontakt ansteckend und führen in der Folge zur Weiterverbreitung innerhalb der Familie.
Was empfehlen Sie den Eltern bei einer Viruserkrankung des Kindes?
Wichtig ist, dass sich das normale Leben und der Bewegungsraum des Kindes möglichst nicht ändern soll. Aber natürlich wer akut erkrankt ist, fiebert, schnupft, hustet, erbricht oder Durchfall hat, sollte engen Kontakt zu anderen Personen meiden oder reduzieren.
Virale Erkrankungen im Kindesalter haben zudem eine wichtige Funktion: Durch den Kontakt mit dem Erreger entwickelt sich das Immunsystem der Heranwachsenden. Dennoch gibt es aggressive virale Erkrankungen, wie zum Beispiel RSV oder Influenza, die häufig Komplikationen nach sich ziehen. Hier sollten bestehende Impfangebote angenommen werden.
Interessant ist, dass derzeit ein Impfstoff gegen das Epstein-Barr-Virus in der letzten Entwicklungsphase ist. Dieser Erreger ruft das „Pfeiffersche Drüsenfieber“ hervor, welches Kinder oft sehr krank macht und schwere Komplikationen hervorruft. Wenn dieser Impfstoff zugelassen wird, sollte er auch Teil der Impfentscheidung von Eltern sein.