Krasse Zahlen in neuer Verkehrsunfallstatistik für Oberfranken

26. Februar 2026 , 17:45 Uhr

Die Verkehrsunfallstatistik für Oberfranken für das vergangene Jahr ist raus. Etwa 30.000 Unfälle sind passiert. Polizeivizepräsident Florian Mayer ordnet das so ein:

Wir bewegen uns damit auf einem auch im Mehrjahresvergleich wirklich stabilen Niveau und wenn man das im Zusammenhang sieht mit der steigenden Anzahl an Zulassungen von Kraftfahrzeugen in Oberfranken, begreifen wir das als durchaus positiven Trend. Aber, und das gehört eben auch zur Wahrheit, es haben im letzten Jahr insgesamt 37 Menschen auf oberfränkischen Straßen ihr Leben verloren.

Jeden zehnten Tag stirbt demnach im Schnitt ein Mensch auf oberfränkischen Straßen – am häufigsten in Autos und am häufigsten auf Landstraßen. Deswegen legt die Polizei in diesem Jahr ihren Schwerpunkt bei Präventionsprogrammen auch gezielt auf Landstraßen.

Wir stellen fest, dass die meisten Menschen, die im letzten Jahr bei Verkehrsunfällen tödlich verletzt wurden, auf Landstraßen ihr Leben verloren haben und dort vor allem die Pkw-Fahrer bei Verkehrsunfällen getötet wurden. Deswegen wollen wir uns dem Thema Landstraßen ganz besonders widmen.

Fast 70 Prozent der tödlichen Verkehrsunfälle sind außerorts passiert.

Generell die meisten Unfälle gibt es trotzdem innerorts (58 Prozent). Positiv ist, dass letztes Jahr zumindest kein einziges Kind tödlich verunglückt ist. Die meisten Verkehrsunfälle gab es übrigens im Mai, Juni und Oktober. Im Sommer sind es in der Regel mehr, im Winter weniger. Am wenigsten Unfälle gab es im Februar.

Zwei positive Meldungen hebt die Polizei noch hervor: Zum einen der niedrigste Wert bei den LKW-Unfällen im zehn Jahresvergleich (sogar niedriger als in der verkehrsarmen Corona-Pandemie-Zeit). Zum anderen gab es die letzten zehn Jahre noch nie so wenig tödlich Verunglückte Motorradfahrer. Trotzdem: natürlich ist jeder drei tödlichen Motorradunfällen einer zu viel. Die Polizei weißt darauf hin, dass Geschwindigkeit bei Motorradunfällen oft das Problem ist. Jeder dritte Motorradunfall passiert ohne Fremdeinwirkung.

Insgesamt waren meisten Hauptunfallursachen in Oberfranken letztes Jahr zu wenig Sicherheitsabstand, Abbiegen, Wenden und missachtete Vorfahrt. Ein großes Grundproblem ist aber generell Ablenkung, sei es durch Smartphones oder die immer größeren Displays im Auto. Sagt Camilla Bäuerle von der Polizei Oberfranken:

Was da ein bisschen die Schwierigkeit ist, dass diese Unaufmerksamkeit sich zahlenmäßig nicht niederschlägt, weil das oftmals die Grundvoraussetzung für diese anderen Sachen ist. Ganz klar, wenn ich Auto fahre und ins Handy gucke, dann kann ich nicht gleichzeitig auf den Sicherheitsabstand zu meinem vorausfahrenden Fahrzeug schauen, dann kann ich nicht auf meinen Tacho schauen, bin ich jetzt gerade zu schnell, zu langsam, komme ich von der Fahrbahn ab und so weiter.

Neben Ablenkung ist übrigens auch unangepasste Geschwindigkeit ein großes grundsätzliches Problem und bei jedem dritten Unfall die Hauptursache.

Was mir immer da ganz wichtig ist zu sagen ist, dass es da nicht um Raserunfälle geht, bei denen jemand innerorts mit 100 durch die Innenstadt rast und völlig rücksichtslos alles zusammenfährt, was nicht bei drei aufm Baum ist, sondern es geht auch darum, dass wenn schlechtes Wetter ist, ich auf der Landstraße vermeintlich alleine unterwegs bin und 100 km/h fahren dürfte, dass ich nicht unbedingt 100 km/h fahren sollte! Weil das Wetter schlecht ist, weil ich müde bin, weil ich gar weit genug sehen kann usw.

Thema angepasste Geschwindigkeit. Viele wiegen sich in falscher Sicherheit, nur weil sie ja die offizielle Geschwindigkeitsbegrenzung einhalten, was aber nicht immer ausreicht, sagt Bäuerle weiter.

Ein weiteres Problem: Mehr Verkehrsunfälle unter Alkoholeinfluss. Die Zahl ist im Vergleich zum Vorjahr um fast acht Prozent gestiegen, auf 440 Alkoholunfälle. Etwa ein Viertel der Alkohol-Unfälle passieren mit dem Fahrrad.

Meines Erachtens nach ist das Problem deshalb so groß, weil das Bewusstsein, Alkohol und Fahrtüchtigkeit in Bezug auf das Fahrrad nicht als so groß angesehen wird, wie das mittlerweile in den meisten Teilen der Bevölkerung im puncto PKW oder Kraftfahrzeug der Fall ist. Da weiß irgendwie jeder, soll man nicht machen und hat vielleicht im Fall der Fälle ein schlechtes Gefühl, wenn man es doch tut. Beim Fahrrad ist leider immer noch so ein bisschen die Denke: „Ich fahre ja nur Fahrrad. Was soll denn schon passieren?“

Leider kann da sehr viel passieren. Auf dem Fahrrad fehlt die Knautschzone, die Fahrradfahrer sind verletzlicher und alkoholisierte Fahrradfahrten können zu schweren und tödlichen Unfällen führen, sagt Bäuerle weiter.

Übrigens zählt die Polizei generell mehr Verkehrsunfälle mit Fahrrädern oder Pedelecs – auch nüchtern. Bei den tödlichen Verkehrsunfällen im vergangenen Jahr liegen Fahrradfahrer auf Platz zwei (fünf von 37 tödlichen Unfällen) nach PKW. Deshalb die Bitte von Polizistin Camilla Bäuerle:

Bitte, bitte Helm tragen! Jeder Mensch ist schöner ohne Helm, aber es ist einfach wahnsinnig wichtig, insbesondere bei Kindern und insbesondere dann auch ein Vorbild zu sein. Kinder schauen sich alles bei den Eltern oder bei Erwachsenen ab und wie soll ein Kind lernen, dass es wichtig ist, einen Helm zu tragen, wenn Mama und Papa keinen tragen, weil die Frisur kaputt geht. Wenn man sich anschaut, wie viele Unfälle schwerwiegend enden, wenn kein Helm getragen wird und man dann überlegt, was hätte der Helm bewirkt, dann ist es einfach ein ganz deutliches Zeichen zu sagen, zieh das Ding auf, richte dir deine Haare hinterher wieder, aber es rettet Leben und es rettet Familien und Schicksale.

Auch Polizeivizepräsident Florian Mayer hat noch einen allgemeinen Appell an alle oberfränkischen Verkehrsteilnehmer:

Die Verkehrssicherheit kann tatsächlich durch uns alle, nicht nur die Polizei, gesteigert werden. Und da wäre unser Wunsch als oberfränkische Polizei, dass jede und jeder, der am Straßenverkehr teilnimmt, zum einen auf sich selbst achtet, insbesondere bei schwierigen Wetterbedingungen die Geschwindigkeit entsprechend anpasst, insbesondere nicht berauscht, sei es mit Alkohol oder Drogen, fährt. Aber darüber hinaus bitte auch auf alle anderen Verkehrsteilnehmer Rücksicht nehmen. Das würden wir uns fürs neue Jahr wünschen.

Hier gibt es mehr Zahlen, Grafiken und Infos aus der neuen Verkehrsunfallstatistik.

bea

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