Der Kontorbau auf dem ehemaligen Maisel-Gelände muss aus Sicherheitsgründen abgebrochen werden. Wie die Joseph-Stiftung mitteilt, ist das das Ergebnis umfassender statischer Untersuchungen durch ein unabhängiges Ingenieurbüro sowie einer zusätzlichen Bewertung durch die Landesgewerbeanstalt Bayern (LGA), eine anerkannte, öffentlich-rechtliche Prüf- und Überwachungsinstitution.
Neben dem denkmalgeschützten Ziegelbau des Kesselhauses hatte die Joseph-Stiftung als Bauherr und Planer auch für den Kontorbau zunächst eine Integration in die Planungen für das neue Maisel-Viertel vorgesehen. Aufgrund seiner Geschichte und seines besonderen Charakters wurden Möglichkeiten einer Weiternutzung intensiv untersucht. Für die Prüfung und Planung eines Erhalts hat das kirchliche Wohnungsunternehmen bereits erhebliche finanzielle Mittel aufgewendet.
Im Zuge einer detaillierten Bestandsaufnahme kamen jedoch zunehmend Zweifel an der Standsicherheit des Gebäudes auf. Die unabhängigen Gutachten kommen übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass wesentliche Gebäudeteile gravierende statische Mängel aufweisen. Dazu zählen unter anderem nicht ausreichend tragfähige Fundamente, erhebliche Mängel im Mauerwerk, fehlende konstruktive Aussteifungen sowie unterdimensionierte Deckenbauteile. Nach Einschätzung der Gutachter war das Gebäude bereits während seiner Entstehungs- und Nutzungszeit nicht ausreichend standsicher. Die Untersuchungen zeigen zudem, dass bei Sanierungsarbeiten eine erhebliche Gefährdung für die Sicherheit der ausführenden Personen bestehen würde. Ein Erhalt des Gebäudes ist daher aus statischer und sicherheitstechnischer Sicht nicht verantwortbar.
Die Bewertung der Gutachten und die weiteren Schritte erfolgten in enger Abstimmung mit der Stadt Bamberg bzw. dem Stadtplanungsamt sowie unter Information der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg Gemeinsam wurde intensiv und in alle denkbaren Richtungen geprüft, ob eine Erhaltung des Gebäudes möglich ist. Im Ergebnis sieht die Joseph-Stiftung als Bauherr zum Rückbau keine vertretbare Alternati-ve: Erhalten werden kann nach aktuellem Stand allerdings der markante Turm des Ensembles. Sein konstruktiv vorteilhafter runder Grundriss ermöglicht erfreulicherweise eine Sicherung als Reminiszenz an das ursprüngliche Gebäude und Integration in die weitere Entwicklung des Areals.
Die Joseph-Stiftung hat der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg angeboten, während der weiteren Sanierung im Austausch zu bleiben. Das kirchliche Wohnungsunternehmen will versuchen, nach Möglichkeit weitere An- und Einbauten im Sinne eines zirkulären Bauens (‚Urban Mining‘) erhalten und weiternutzen zu können.
Die Vereinigung zum Schutz der Bamberger Kulturdenkmale hat sich mit dem weiteren Austausch einverstanden erklärt und regte an, über den Turm hinaus so viel wie möglich zu bewahren. Dazu zählt der Verein etwa die Balkonbrüstung und Teile aus dem Inneren der ehemaligen Wohnung aus Gustav Haeberles Feder. Insbesondere legte sie der Joseph-Stiftung ans Herz, nun umso mehr Bewahrungswillen bei der Sanierung des denkmalgeschützten Kesselbaus zu beweisen, nicht nur im Äußeren, sondern auch bei der wertvollen Innenausstattung, die bis heute weitgehend unverändert erhalten geblieben ist – unter anderem mit ihren gekachelten Böden, gusseisernen Treppen und Brüstungen, sowie originalen Türen und Fenstern.
„Die Entscheidung zum Abbruch fällt uns nicht leicht. Wir hätten den Kontorbau gerne als Teil der Quartiersentwicklung erhalten und haben deshalb alle Möglichkeiten einer Sanierung intensiv prüfen lassen. Die Ergebnisse der unabhängigen Gutachten lassen jedoch keinen anderen Schluss zu. Der Rückbau ist ein bedauerlicher, aber unvermeidlicher Schritt, um die Entwicklung des Maisel-Viertels fortsetzen zu können. Damit schaffen wir die Voraussetzung, dringend benötigten Wohnraum und weitere wichtige Nutzungen für die Menschen in Bamberg zu realisieren“, erklärt Markus Jakob, Vorstand der Joseph-Stiftung.
Die Rückbauarbeiten für den Kontorbau sind ab August vorgesehen. Ziel für die weitere Entwicklung des Maisel-Geländes ist die Schaffung eines lebendigen und gemischt genutzten Stadtquartiers mit Wohnraum für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen sowie Angeboten für Bildung und Betreuung. Geplant sind unter anderem Wohnungen, eine Schule, eine Therapieeinrichtung für von Schädel-Hirntrauma betroffene Menschen, eine Kindertagesstätte, gewerbliche Flächen und Wohnen für Studierende und Auszubildende.