Windräder erzeugen klimafreundlichen Strom. In den Gemeinden Hirschaid und Altendorf sorgen sie derzeit aber vor allem für viel Gesprächsstoff. Fünf Anlagen sollen zwischen den beiden Ortschaften gebaut werden – drei im Bereich Juliushof/Seußling, zwei bei Großbuchfeld/Rothensand. Zum aktuellen Stand sagt Klaus Homann, Bürgermeister der Gemeinde Hirschaid:
„Der Ist – Stand ist im Augenblick, dass verschiedene Gutachten noch eingeholt werden müssen oder beantragt sind. Also mittlerweile liegt das Schattengutachten vor und das Lärmschutzgutachten liegt vor. Was noch aussteht, das ist das Naturschutzgutachten. Das soll im Laufe des Jahres kommen. Die Windhöffigkeit natürlich, ob es rentabel ist, wird auch noch gemessen. Und in den nächsten paar Tagen soll uns ein Einspeisepunkt genannt werden. Also Bayernwerk hat sich gemeldet und gesagt, zwei bis drei Wochen dauert es noch, bis sie uns unseren Einspeisepunkt nennen können.“
Gegen die 260 Meter hohen Windräder formiert sich seit mehreren Monaten Widerstand. Dabei werden verschiedene Punkte kritisiert. Ein Vorwurf: im Gebiet, in dem die Windräder aufgestellt werden sollen, wehe nicht genügend Wind. Homann erzählt im Radio Bamberg Interview von einem Gespräch mit einem Mitarbeiter der Regierung von Oberfranken:
„Der hat uns bestätigt, dass die Windgeschwindigkeit passt. Sie liegt im mittleren Bereich, also unter 4,9 wäre es sinnlos. Im Augenblick, die ersten Prognosen zeigen, wird es um die Geschwindigkeit 6 ungefähr sein. Das ist der mittlere Bereich, also es rentiert sich noch, was uns bestätigt wird.“
Aber: Klaus Homann äußert im Radio Bamberg Interview auch Bedenken und kann Teile der Kritik am Windpark verstehen. Ein klares Unding ist für ihn hingegen der Vorwurf, dass die Bürger in Hirschaid nicht ausreichend informiert worden seien. Gegenüber Radio Bamberg sagt er:
„Da platzt mir jedes Mal der Kragen, weil das bei jedem Thema, wo irgendwo die Wellen hochschlagen, aufkommt. Nicht nur bei diesem aktuellen Thema. Wir haben Beschlüsse im Gemeinderat gefasst, die wurden veröffentlicht im Mitteilungsblatt, die waren digital einsehbar. Wir haben eine Bürgerversammlung in Rothensand gemacht, da haben wir auch eingeladen. Klar, ganz normal mit einem normalen Einladetext, da hätte sich jeder informieren können. Und dann zu sagen „wir sind nicht mitgenommen worden“ – das finde ich schon ein wenig grenzwertig, muss ich sagen.“
Sein Altendorfer Bürgermeister-Kollege Karl-Heinz Wagner teilt diese Meinung. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Nähe der Windräder zu Wohnhäusern. Der Abstand unterschreite den vorgegebenen Mindestabstand. Dazu sagt Wagner gegenüber Radio Bamberg:
„Zum einen ist es ja so, dass es diese 1.000 Meter, von denen immer die Rede ist, ein Wert ist, der sich der Regionale Planungsverband Oberfranken-West gegeben hat. In anderen Regionalen Planungsverbänden ist dieser Abstand auf 800 Meter zum Beispiel verändert. Also sieht man da: diese Angabe mit 1.000 Meter ist relativ willkürlich gemacht. Entscheidend sind aber nicht diese 1.000 Meter, sondern entscheidend ist, was dahintersteckt. Nämlich die damit verbundene Zielrichtung, so weit weg von Ortschaften zu kommen, dass man hier die Emissionswerte einhalten kann. Entscheidend sind nicht die 1.000 Meter, entscheidend ist dann, wenn das Schallgutachten erstellt wird, ob wir diese Schallwerte, die in einem allgemeinen Wohngebiet, in einem reinen Wohngebiet oder Mischgebiet, je nachdem, an was wir angrenzen, ob wir die einhalten können. Wir sind auch keine 800 Meter dran, insbesondere nicht an Juliushof. Das wird gerne so propagiert, wir sind hier 940 Meter dran, also das ist schon etwas anderes. Und wir sind auch nicht hier in der Region am nähesten an einem Wohngebiet dran. Ich gucke in andere Ortschaften, da sind also Marge von 920 Meter Entfernungen drin. Darüber hat sich offensichtlich keiner so mokiert. Aber 940 Meter wird der Abstand zum Juliushof sein nach den aktuellen Standortbedingungen.“
Gegenwind für die geplanten Windkraftanlagen kommt beispielsweise von der neu gegründeten Bürgerinitiative Hirschaid-Altendorf. Dessen Mitglieder halten an dem Argument, dass es zu wenig Abstand zwischen den Windrädern und den umliegenden Ortsteilen gebe, fest. Der 2. Vorstand Wolf-Dieter Czap sagt außerdem auf Radio Bamberg Nachfrage:
„Zweitens kritisieren wir, dass das Landschaftsschutzgebiet am Lauberg mit dem Ruhstein zerstört werden soll, weil die Betreiber des Windparks sich für dieses unwirtschaftliche Schwachwindgebiet wohl hohe Subventionen aus dem EEG-Referenzertragsmodell erhoffen.“
Einen großen Knall und das Aus des Windparks könnte es heute geben, denn das Ganze ist am Abend Thema in der Gemeinderatssitzung in Hirschaid. Die Bürgerinitiative fordert unter anderem vom Gemeinderat, den Antrag zur Genehmigung der beiden Hirschaider Windräder zurückzunehmen. Und wenn das nicht passiert? Wolf-Dieter Czap antwortet auf diese Frage:
„Andernfalls planen wir, uns mit unseren Einwänden direkt an den Regionalen Planungsverband Oberfranken West und die Genehmigungsbehörde beim Landratsamt Bamberg zu wenden und dabei alle tatsächlichen und rechtlichen Möglichkeiten zur Verhinderung des geplanten Windparks auszuschöpfen.“
Für den Altendorfer Bürgermeister Karl–Heinz Wagner ist hingegen klar: Altendorf würde auch weitermachen, wenn Hirschaid aus dem Projekt aussteige:
„Wir haben einen klaren Fahrplan. Die Fachgutachten sind alle zu erstellen, die wir brauchen, um bewerten zu können, können wir Anlagen dort stellen oder können wir nicht. Diese Gutachten werden im Gemeinderat diskutiert werden und werden dann, und das ist ganz wichtig, an die Fachplanungsbehörden Landratsamt Bamberg weitergegeben werden, die dann für sich prüfen können, ob aufgrund der Gutachten Windenergieanlagen gestellt werden können oder nicht.“
Erst dann werde es eine Entscheidung darüber geben, ob und wie viele Windräder die Gemeinde Altendorf bauen wird, so Wagner weiter. Der öffentliche Teil der Sitzung des Gemeinderats in Hirschaid beginnt heute um 19 Uhr.