Bekämpfung des internationalen Callcenterbetrugs – weiterer Erfolg für die Zentralstelle Cybercrime Bamberg

30. April 2026 , 16:34 Uhr

Im Rahmen eines gemeinsamen Ermittlungsverfahrens ist es deutschen und spanischen Strafverfolgungsbehörden gelungen, ein Callcenter für sogenannten Schockanruf-Betrug in einer eigens hierfür angemieteten Ferienwohnung in Madrid aufzudecken und zu zerschlagen. Die Ermittlungen wurden durch die KPI-Z Oberfranken unter Sachleitung der Staatsanwaltschaft Bamberg geführt und in enger Zusammenarbeit mit der spanischen Policia Nacional (zentrale Cybercrime-Einheit) umgesetzt. Die justizielle Abstimmung erfolgte zwischen den zuständigen Staatsanwaltschaften in Bamberg und Madrid auf Grundlage Europäischer Ermittlungsanordnungen. Europol koordinierte den polizeilichen Informationsaustausch.

Nach bisherigen Erkenntnissen setzte die Tätergruppierung von der angemieteten Wohnung in Madrid aus, über mehrere Wochen hinweg, täglich eine Vielzahl betrügerischer Anrufe nach Deutschland ab. Zielgruppe der Täter waren überwiegend ältere Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet.Die Täter gaben sich am Telefon als Polizeibeamte, Staatsanwälte oder Angehörige aus und täuschten eine Notlage vor. In den Gesprächen wurde den Geschädigten vorgespiegelt, ein naher Angehöriger habe einen schweren Verkehrsunfall verursacht und könne nur durch die Zahlung einer hohen Kaution einer Inhaftierung entgehen. Ohne polizeiliches Zutun wären die Geschädigten im weiteren Verlauf zur Übergabe von Bargeld, Gold oder Wertgegenständen veranlasst worden. Dies konnte durch die Maßnahmen von Polizei und Staatsanwaltschaft zumeist erfolgreich verhindert werden.

Umfangreiche kriminalpolizeiliche Maßnahmen führten zu vier Hauptverdächtigen: Einem 37-jährigen schwedischen Staatsangehörigen aus Hamburg mit seiner 33-jährigen polnischen Ehefrau sowie zwei 23-jährigen und 30-jährigen polnischen Staatsbürgerinnen. Sie agierten als sog. „Keiler“ (falsche Polizeibeamte) bzw. „Heuler“ (falsche Angehörige), also als die jeweiligen betrügerischen Anrufer. Ihrer Spur folgten die Kriminalbeamten bis in das angemietete Apartment in der spanischen Hauptstadt Madrid. Von dort aus betrieb die Bande das Callcenter und führte die organisierten Schockanrufe durch – bis die Ermittler schließlich Mitte März zuschlugen. Beim Zugriff in Spanien gelang es den Einsatzkräften, alle vier Hauptverdächtigen festzunehmen und eine Vielzahl an Beweis- und Tatmitteln, wie Mobiltelefone, SIM-Karten, digitale Speichermedien und auch Vermögenswerte zu beschlagnahmen.

Zeitgleich durchsuchten Einsatzkräfte des Hamburger Landeskriminalamtes den Wohnsitz des 37-jährigen Schweden im Raum Hamburg. Im Zuge der Durchsuchungen konnten erhebliche Vermögenswerte im Besitz der Tatverdächtigen sichergestellt werden. Hierzu zählen unter anderem Gold im Gesamtgewicht von über einem Kilogramm sowie hochwertige Schmuck- und Luxusgegenstände wie Uhren und andere Modeartikel.

Gegen die festgenommene vierköpfige Bande erließ das zuständige Gericht in Bamberg nationale sowie Europäische Haftbefehle u.a. wegen des Verdachts des versuchten banden- und gewerbsmäßigen Betrugs in mehreren Fällen. Die spanischen Behörden bereiten aktuell die Auslieferungen nach Deutschland vor, um hier unter der Federführung der Staatsanwaltschaft Bamberg das weitere Strafverfahren zu betreiben.

Im Zuge der intensiven Ermittlungen wurde deutlich, welche komplexe Struktur aus Anrufern, Logistikern, Geldabholern und weiteren Beteiligten sich hinter der Tätergruppierung verbirgt. Begleitend zu den Überwachungsmaßnahmen wurden in Deutschland im Zusammenhang mit einzelnen betrügerischen Anrufen weitere Maßnahmen durchgeführt, in deren Verlauf auch zwei Personen in Frankfurt am Main festgenommen wurden, die mit der Verbringung der Tatbeute von 920 Gramm Gold aus einem Schockanruf beauftragt waren.

Derzeit werten die Ermittler der KPI-Z Oberfranken mehrere hundert bis tausend „Schockanrufe“ forensisch aus und sichern weiteres Beweismaterial aus den Überwachungsdaten. Zum Zeitpunkt der Festnahmen konnten 14 konkrete Taten mit Forderungssummen von jeweils rund 90.000 Euro identifiziert werden.

Die Folgeermittlungen erbrachten bereits jetzt schon Hinweise auf eine Vielzahl weiterer Betrugsanrufe mit Geldforderung, sowie u.a. einen Anruf nach Österreich, bei welchem das Opfer 39.000 Euro an einen bislang unbekannten, angeblichen Konsulatsmitarbeiter übergab.

Es ist davon auszugehen, dass darüber hinaus noch eine Vielzahl weiterer Fälle zu ermitteln ist.

 

 

Enge internationale Zusammenarbeit als Erfolgsfaktor

 

Die Zerschlagung des Callcenters ist das Ergebnis einer intensiven und eng abgestimmten Zusammenarbeit zwischen deutschen und spanischen Polizei- und Justizbehörden. Der Informationsaustausch sowie die koordinierten Maßnahmen auf Grundlage europäischer Rechtsinstrumente waren entscheidend für den Ermittlungserfolg.

 

Die Ermittlungen dauern an, insbesondere zur Identifizierung weiterer Geschädigter sowie zur vollständigen Aufklärung der Täterstruktur.

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