Knall in der Bamberger CSU: die fünf Fraktionsmitglieder der CSB (Christlich Soziale Bürger) im Stadtrat haben geschlossen ihren Austritt aus der Partei CSU erklärt. Derzeit läuft noch ein Parteiausschlussverfahren gegen Anna Niedermaier, Peter Neller, Michael Kalb, Anne Rudel und Stefan Kuhn. Gegenüber Radio Bamberg sagte Co-Fraktionsvorsitzender Peter Neller zu den Gründen des geschlossenen Austritts:
In einer Mitteilung der fünf heißt es, die CSU sei immer ihre politische Heimat gewesen und bleibe dies auch beim Gedankengut. Im Kern kritisieren die Stadträte die Geschehnisse um die Listenaufstellung, eine desaströse Wahlkampfführung, insbesondere zur OB-Wahl, Hetzkampagnen nach der Wahl und mangelnde konstruktive Sacharbeit. Zudem habe es das seit Jahren andauernde respektlose Verhalten der Kreisverbandsführung unter Billigung der Landtagsabgeordneten und stellvertretenden Parteivorsitzenden unmöglich gemacht, sich weiterhin in der Bamberger CSU zu engagieren. Anne Rudel, die in den vergangenen Jahren auch in der Frauen-Union in Bamberg aktiv war, sagte im Radio Bamberg Interview:
Die CSU verliere mit den fünf Mitgliedern ein ganz erhebliches Potential, bei der Stadtratswahl entfielen 64.000 Stimmen auf sie. Es sei zu beachten, dass der Kreisvorsitzende Gerhard Seitz ohne diese Stimmen nicht wieder im Stadtrat sitze, heißt es in einer Pressemitteilung der fünf Austretenden. CSB-Stadträtin Anna Niedermaier sagte im Radio Bamberg Interview über die Situation in den vergangenen Monaten:
Die CSB-Fraktion wolle sich nun weiter auf die Sacharbeit im Stadtrat und der Stadt konzentrieren. Wie es im Hinblick auf die Zukunft der CSB weitergehe, werde man gemeinsam entscheiden. Man könne sich durchaus vorstellen, bei der Kommunalwahl 2032 wieder anzutreten. In welcher Form werde sich zeigen, so Niedermaier. Bereits jetzt werde man von Bürgern und auch CSU-Mitgliedern angesprochen und erhalte Unterstützung.
In einer Stellungnahme des Kreisvorsitzenden Gerhard Seitz gegenüber Radio Bamberg weist dieser die Vorwürfe der Stadträte zurück. Der Austritt sei deren Entscheidung, wer aber jahrelang Verantwortung getragen habe, könne sich nicht nachträglich zum Zuschauer erklären. Die Ausgetretenen seien langjährige Funktionsträger, darunter der bisherige Fraktions- und Ortsvorsitzende, und hätten die Bamberger CSU über Jahre entscheidend mitgeprägt. In ihrer Erklärung fehle jede Selbstkritik. Den Satz „Im Herzen sind wir CSUler“ halte er für widersprüchlich, denn alle fünf seien auf der CSU-Liste gewählt worden, hätten dann eine konkurrierende Fraktion gegründet und sich von der CSU distanziert. Die 64.000 Stimmen seien zudem kein persönliches Eigentum der Stadträte. Auch die CSU müsse sich Kritik stellen und Fehler aufarbeiten, so Seitz weiter. Die Trennung sei nun klar, die CSU müsse daraus Konsequenzen ziehen und sich an ihrer Arbeit für Bamberg messen lassen. Dafür übernehme er als Kreisvorsitzender Verantwortung.
Auch die CSU-Fraktionsvorsitzende Melanie Huml äußert sich gegenüber Radio Bamberg: „Die von den CSB-Stadträten öffentlich erhobenen Vorwürfe, persönlichen Angriffe und Unwahrheiten weise ich entschieden zurück. An einer öffentlichen Gegenabrechnung werde ich mich jedoch nicht beteiligen. Ich werde mich im Stadtrat ebenso wie auf Landesebene weiterhin sachlich und konstruktiv für gute Lösungen einsetzen, um Bamberg voranzubringen. Mein Ziel war, dass alle zehn über die CSU-Liste gewählten Stadträte gemeinsam für Bamberg arbeiten. Zusammen hätten wir als stärkste Fraktion viel für unsere Stadt und die Menschen bewegen können. Für dieses Ziel habe ich viele persönliche Gespräche geführt und konkrete Vermittlungsangebote gemacht.“
Zum Hintergrund: nach der Kommunalwahl im März dieses Jahres war der Streit in der Bamberger CSU eskaliert. Die fünf Stadträte Peter Neller, Anne Rudel, Stefan Kuhn, Anna Niedermaier und Michael Kalb lehnten eine Zusammenarbeit in der Fraktion mit Gerhard Seitz ab. Es kam zur Abspaltung und der Gründung der Fraktion CSB und mündete in einem ersten Parteiausschlussverfahren im April. Da dieses wegen eines Formfehlers vom CSU-Bezirksschiedsgericht beanstandet wurde, folgte ein weiteres Verfahren Mitte Juli. Ein Ergebnis war für kommende Woche erwartet worden, dies wird durch den Austritt der fünf wohl hinfällig.