Dem Ärztemangel entgegensteuern und Hausärztinnen und Hausärzte entlasten – das ist das Ziel des Pilotprojekts HÄPPI des Hausärzteverbands. Seit einem halben Jahr läuft es in insgesamt neun Praxen im Freistaat. Eine davon ist die Gemeinschaftspraxis Seitter-Tischer in Thurnau. Bei dem Projekt sollen medizinische Fachangestellte weitergebildet werden und so Aufgaben übernehmen, die sonst nur die Ärztin oder der Arzt gemacht haben. Die oberfränkische Bezirksvorsitzende des Hausärzteverbands, Anja Tischer, gibt ein Beispiel:
Zum Beispiel die Durchführung einer technischen Untersuchung. Die medizinische Bewertung ist eine ärztliche Leistung. Klassiker: kein Arzt schreibt das EKG selber, das macht die MFA. Das EKG aber zu befunden, ist meine Aufgabe.
Aber auch Infekt-Sprechstunden oder ein Ultraschall könnten dann die weitergebildeten medizinischen Fachangestellten übernehmen.
Beim Pilotprojekt spielt aber auch die Digitalisierung eine Rolle. So wurde die PraxisApp eingeführt. Mit der können die Patienten per Chat mit den Praxen kommunizieren, Medikamente vorbestellen oder eine Videosprechstunde mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin machen.
Das Pilotprojekt läuft noch bis 2027, wird vom Gesundheitsministerium gefördert und von der Uni Augsburg begleitet. Die Wissenschaftler werten die Daten aus den Praxen aus. Sollte sich herausstellen, dass das HÄPPI-Pilotprojekt ein Erfolg war, könnte es in Zukunft von den Krankenkassen finanziert und ein Modell für weitere Praxen werden.